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Übung macht den Meister

VON MORITZ-BENEDIKT MÜLLER -
Reportage: Rheinische Post   4. August 2011 
Mit einem Tenniscamp macht der SV Hilden-Nord Werbung in eigener Sache. Für die 27 Teilnehmer ist das Turnier am Ende des fünftägigen Trainings der Höhepunkt.

 

Trainer Mio Zoricic erklärt den Teilnehmern des Tennis-Camps den Ablauf des Topspins. Foto: Olaf Staschik

 

Unzählige Tennisbälle fliegen durch die Luft. Der dumpfe Knall, der entsteht, wenn der gelbe Filzball mit hoher Geschwindigkeit auf die straffen Saiten des Schlägers trifft, ist allgegenwärtig. Rote Asche wirbelt über den Boden. Keine ungewöhnliche Szene auf der Tennisanlage des SV Nord an der Furtwänglerstraße. Bereits zum fünften Mal richtet der Verein ein fünftägiges Camp aus – diesmal sind 27 Kinder und Jugendliche mit von der Partie.

"Der größte Teil sind Jugendliche aus unserem Verein, aber auch Freunde, Bekannte oder einfach Interessierte", sagt Peter Lierhaus, Sportwart und Jugendwart in Personalunion. "Das Interesse ist stetig gewachsen, aber wir haben es bisher immer geschafft, dass wir keinen wieder wegschicken mussten." Und so dreht sich in der ersten Ferienwoche für den Nachwuchs sieben Stunden täglich alles um den gelben Filzball.

Info: Tennis beim SV Nord

Gründung: Die Abteilung des SV Hilden-Nord entstand 1983. Der Spielbetrieb auf drei Plätzen begann ein Jahr später.
Mannschaften: In der vergangenen Saison nahmen erstmals fünf Jugendmannschaften am regulären Ligaspielbetrieb teil.
Kontakt: Sportwart Peter Lierhaus unter Tel. 02103 982968 oder per EMail an

Als Cheftrainer steht Diplom-Sportlehrer Mio Zoricic auf dem Platz, der zusammen mit seiner Tochter und weiteren fleißigen Helfern, die Organisation des Camps, vor allem aber den Unterricht übernimmt. "Als ich in den Club kam, gab es hier keine Jugend. Und um von null anzufangen, ist so ein Tenniscamp immer gut", betont Mio Zoricic. "Viele Leute haben heute großen Respekt davor, in einen Verein zu gehen, weil das so teuer ist. Dabei ist Tennis längst nicht mehr so elitär wie früher – doch das muss bei der breiten Masse erst einmal ankommen. Der Sport ist einfach schön", sagt der Regionalligaspieler des TC Rath Mühlheim. Er setzt sich mit ganzem Herzen für seine Leidenschaft ein.
Mit dem Feriencamp will der Vereinsvorstand das herkömmliche Training erweitern und verstärkt auf die Bereiche Koordination und Kondition setzen. Gleichzeitig ist der Lehrgang auch Werbung in eigener Sache. "Wir haben momentan 35 Spieler in unserer Jugend, aber wir arbeiten daran, dass es mehr werden", sagt Peter Lierhaus.

In fünf Gruppen eingeteilt, versuchen die jungen Sportler, die Vorhand noch präziser zu schlagen, an ihrer Rückhand zu arbeiten oder das perfekte Stellungsspiel zum Ball zu erlernen. Damit das funktioniert, gibt es von Trainer Mio, wie ihn die Kinder nennen, die nötigen Anweisungen und Korrekturen. "Wenn ich den Ball fallen lasse, rennt ihr in die andere Ecke des Feldes, schlagt den Ball mit dem eben gelernten Topspin und spielt danach den Ballwechsel sauber zu Ende. Wer gewinnt, kommt auf die Siegerseite. Kriegen wir das hin? Locker, oder!", sagt Mio Zoricic und stimmt damit seine Gruppe auf die neue Aufgabe ein.

"Normalerweise braucht ein Spieler rund 200 Wiederholungen pro Einheit, um die Übung überhaupt zu verinnerlichen – das sind so 20 bis 30 Minuten pro Übung", erklärt Zoricic. Während der Nachwuchs Boris Becker oder Steffi Graf nacheifert und die Bälle mit satten Schlägen über das Netz spielt, gibt es vom Coach weitere Tipps oder kleine Verbesserungen: "Ihr müsst den Schläger schwingen, als ob es ein Scheibenwischer wäre."

Jan ist zum ersten Mal beim Ferientraining dabei. "Ich wollte einfach mal schauen. Es macht mir Spaß und ich lerne viel, auch wenn ich nicht im Verein bin. Und ich habe auch schon andere Kinder kennen gelernt", erzählt der Hildener, der bereits einige Teilnehmer aus seiner Grundschule kennt. Ob er aber auch nach dem Camp noch weiter Tennis spielt, weiß der Zehnjährige noch nicht: "Ich glaube eher nicht, weil ich noch zweimal die Woche Leichtathletik mache und Fußball spiele."

Ganz anders sieht das bei seiner Klassen- und Trainingskameradin Marie aus: "Ich spiele seit gut einem Jahr hier im Verein. Es macht immer Spaß und ich habe schon eine Menge gelernt", erzählt die Zehnjährige mit hörbarem Stolz. Zweimal in der Woche geht sie zum Training und spielt zusätzlich noch mit ihren Freundinnen in der Freizeit. Damit sie das Erlernte auch mal unter Wettkampfbedingungen anwenden kann, wartet zum Abschluss der Woche ein Turnier auf die Kinder. "Das ist immer der Höhepunkt, aber am Ende ist hier jeder ein Gewinner", betont Mio Zoricic.

Quelle: RP 4.8.2011